Die 5 häufigsten Fehler beim Texten von Stellenanzeigen und wie du sie vermeidest

Jeder kennt sie: Die klassischen Stellenanzeigen auf Karriereportalen, LinkedIn und Co. Falls du diese mal genauer unter die Lupe genommen hast, ist dir bestimmt nicht entgangen, dass Stellenanzeigen nicht unbedingt die kreativsten Texte sind, die man online findet. Überall in der Werbung hat man erkannt, dass es wichtig ist, Menschen emotional abzuholen… Aber im HR-Bereich scheint sich innovatives Copywriting nur seeeehr zaghaft durchzusetzen. 


Konkret meine ich damit, dass die meisten Stellenanzeigen mega trocken geschrieben sind und darin viele Floskeln und komplizierte Schachtelsätze vorkommen. Etwa so: "Als Kaufmann für IT-Systemmanagement (m/w/d) unterstützt du deine Kollegen bei der Vermarktung und Bereitstellung individueller IT-Lösungen für unsere Kunden, klärst Sachverhalte in enger Zusammenarbeit mit der Technik und unterstützt deine Kollegen bei Projekten und im Marketing."

und weiter...

"Für diese wichtige Aufgabe, die ein hohes Maß an inhaltlicher Vielfalt beinhaltet, Einsicht in Entwicklungen und interne Themen bietet und eine zentrale Schnittstelle zu allen Bereichen, Abteilungen und Projekten darstellt, suchen wir eine/n XY."

...häää?? Das ist viel zu viel Information auf einmal und verwirrt den Leser komplett. 


Aber warum schreibe ich eigentlich darüber? Stichwort "Employer Branding". Jedes Unternehmen sollte sich an allen Touchpoints als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und da ist es EXTREM wichtig, dass die Stellenanzeigen die Leser ansprechen und nicht schreiend davon laufen lassen. 


Fakt ist: Stellenanzeigen sind ein essenzieller Part des Employer Brandings.

Der gesamte Unternehmensauftritt ist entscheidend, um gute Bewerber anzuziehen. Alle Touchpoints greifen ineinander. Jeder ernsthaft interessierte Bewerber googelt das Unternehmen oder schaut sich den Facebook Auftritt an. Wenn dieser nicht eindrucksvoll und "up to date" ist, klickt der Besucher genervt weiter. Wenn die Website aussieht, wie aus der Steinzeit und das letzte Posting aus dem Jahre Schnee stammt, dann ist das auch nicht unbedingt die beste Werbung. Jeder Arbeitnehmer wünscht sich, bei einem Unternehmen zu arbeiten, das mit der Zeit geht und nicht, das mit der Zeit geht. 

Ok, aber kommen wir jetzt zu den... 

... 5 häufigsten Fehlern beim Texten von Stellenanzeigen…


Fehler Nummer 1: Du schreibst an der Zielgruppe vorbei

Bevor ich eine Stellenanzeige texte, nehme ich mir Zeit, um in die Welt der Zielgruppe einzutauchen und zwar nicht nur irgendwie so ein bisschen. Nein. Ich recherchiere ausgiebigst und grabe ganz tief runter. Meine Infos beziehe ich aus Foren, Facebook Gruppen, von Youtube und Amazon…

Ich recherchiere so lange, bis mir zu 120 % klar ist …

… wie meine Leser ticken 

… welche Probleme, Wünsche, Sehnsüchte sie haben 

… was ihnen bei der neuen Arbeitsstelle wichtig ist

Wahrscheinlich denkst du dir jetzt “Naja, ist doch klar! Die sind unzufrieden mit ihrem Job und suchen eine neue Herausforderung…” und das stimmt auch.

Allerdings gibt es hier große Unterschiede in der Ansprache. Wenn du die Sprache der Zielgruppe nicht kennst, könnte es sehr schwierig werden, sie zu erreichen.

Der unzufriedene Projektmanager hat völlig andere Ansprüche und Herausforderungen im Alltag als der Zuckerbäcker-Lehrling. Ihm oder ihr sind ganz andere Dinge wichtig, wenn es darum geht, den richtigen Arbeitsplatz zu finden. 

Hier habe ich beispielsweise für eine Stellenanzeige in der Pflege recherchiert. Foren sind ein heißer Tipp, um herauszufinden, welche Probleme die Zielpersonen haben und wie sie selbst darüber sprechen. 

Recherche Stellenanzeige Pflege

Recherche-Beispiel 1 aus Online Forum für Gesundheitspersonal


Recherche Stellenanzeige Pflege

Recherche-Beispiel 2 aus Online Forum für Gesundheitspersonal


Ein weiterer kritischer Punkt sind Floskeln.

Floskeln sind bei Texten generell der Conversion-Killer No. 1. “Du bist auf der Suche nach einer neuen Herausforderung als Marketer” - das wäre so ein typischer Satz, der sehr verbraucht ist, viel zu allgemein klingt, und eine SEHR breite Personengruppe anspricht. Was du mit so einem Satz hervorrufst sind maximal gelangweilte Blicke und Augenrollen. Motivierte Bewerber und Leute, die wirklich was drauf haben, kriegst du damit nicht...

Was funktioniert besser als Floskeln, 08/15 HR-Sprache und standardisierte Texte? 

Das sind Sätze, wo sich die Zielperson sofort angesprochen fühlt, weil das nur sie betrifft:

"Als passionierter Copywriter und Online Marketer beherrschst du dein Texter-Handwerk. Du bist versiert in der Konzeption von innovativen Projekten und Kampagnen? Dann bist du bei uns richtig!" (Copywriter im Online Marketing)

oder

“Jeden Tag Dohuwabohu und Chaos auf der Baustelle? - das gibt es bei uns nicht!” (Maler)

oder 

“Job frisst Leben? Nicht mit uns!

Als Pflegefachkraft gibst du jeden Tag ein bisschen mehr als eigentlich nötig… Es liegt in deiner Natur für Menschen da zu sein, wenn sie Hilfe brauchen. Aber was ist mit dir und deinen Zielen und Träumen? Der Mensch ist nicht dafür gemacht, nur zu funktionieren und sich selbst für andere aufzuopfern. 

Nur glückliche Mitarbeiter können unsere Patienten optimal Unterstützen. Daher setzen wir auf Zufriedenheit bei Patienten als auch Mitarbeiter:innen.  

Wie wäre es, wenn du einen fixen Dienstplan und auch mal wieder mehr Zeit hättest, um einen Ausflug mit Familie und Freunden zu machen oder spontan übers Wochenende zu verreisen? Klingt gut? Dann schau dir an, was wir für dich haben!” usw. 

Wichtige Info: die Pflegebranche ist ein wenig komplexer, darum habe ich hier etwas ausgeholt.


Fehler Nummer 2: Der Titel oder Einstieg spricht den Leser nicht an

Gestalte den Einstieg deiner Stellenanzeige so, dass sich eine Person mit ganz bestimmten Interessen angesprochen fühlt. Dir stehen ca. 50 Zeichen zur Verfügung - nutze sie! 

Das könnte beispielsweise so aussehen:

Titel Stellenanzeige Deine Copy

Titel Stellenanzeige (LinkedIn)

Bevor die SEO-Experten jetzt wieder ganz laut aufschreien: Ja, es stimmt, dass die Jobbezeichnung im Titel ganz vorne stehen soll, damit man unter diesem Suchbegriff auf Google optimal gefunden wird.

Am Beispiel oben könnte man das wie folgt lösen: "SEO-Texter (m/w/d) für Gewürzhandel in Bremen - unsere Tastatur schreit nach dir!!"

Hier gilt es übrigens auch herauszufinden, was überhaupt gesucht wird - Texter? oder Copywriter? Ein ganz heißer Tipp, um das herauszufinden ist ... Google Trends! Im Screenshot siehst du auf einen Blick, dass der Texter (blau) in Österreich viel häufiger gesucht wird als der Copywriter.

Vergleich Texter-Copywriter

Vergleich Texter-Copywriter

Ein weiterer entscheidender Hebel beim Texten deiner Stellenanzeige ist der Einstieg.

Hier liest man häufig langwierige Beschreibungen des Unternehmens mit vielen unnötigen Informationen...

Heute habe ich eine Anzeige gefunden, mit folgendem Einstieg: 

"Die Firma X hat sich seit ihrer Gründung 1998 zu der größten Hochschule für Online-Studiengänge in Europa entwickelt."

Ok… das mag zwar sein, ist allerdings nicht die Info, die mich als allererstes interessiert, wenn ich einen neuen Job suche. In dem Moment hat der Leser nur einen einzigen Gedanken: HAT DIESER ARBEITGEBER ETWAS ZU BIETEN, DAS MEINE JOBSITUATION VERBESSERT?

Dafür muss man als Texter natürlich wissen, was sich der Bewerber erträumt, was er in seinem aktuellen Job nicht hat (mehr Gehalt, ein geregelter Dienstplan, ein Chef, der seine Leistungen sieht und anerkennt, ein Dienstauto und und und...).

Wenn du gleich schon mit einem starken Wertversprechen oder einem positiven Einstiegssatz startest, ist es hundert Mal wahrscheinlicher, dass der Interessent weiter liest als wenn du ihn mit belanglosen Details nervst, die er eh nicht liest. 

Das könnte soetwas sein wie “Werde unser neuer Malermeister und verlasse täglich mit einem Lächeln die Baustelle/ Werkstatt” - je nachdem, was besser passt. Alleine durch so einen Satz wird deine Anzeige schon unter all den anderen hervorstechen. 

Du kannst auch eine Frage stellen: "Du denkst in Bildern, bist künstlerisch talentiert und suchst einen Beruf bei dem du dich kreativ verwirklichen kannst? Dann ist unsere Lehrstelle als Grafikerin vielleicht das richtige für dich!"


Fehler Nummer 3: Es wird zu viel gefordert

Bestimmt kennst du diese typischen Stellenanzeigen, wo eine Anforderung die nächste jagt… Mit Kommunikation auf Augenhöhe hat das meiner Meinung nach weng zu tun… Ich muss immer ein bisschen schmunzeln, wenn eine Person gesucht wird, die einfach alles können soll.

Bei Stellenanzeigen im Marketing ist das häufig der Fall. 

Das klingt dann etwa so:ㅤ Das solltest du mitbringen (ACHTUNG: bewusst ein wenig überspitzt formuliert):ㅤ

- du bist Expertin im Storytelling und schmetterst Content-Konzepte quasi über Nacht aus dem Ärmel

- Verkaufstexten und die Erstellung von SEO-Texten ist für dich ein Klax

- du optimierst alle internen und externen Kommunikationskanäle mit Leichtigkeit

- du schreibst Presseberichte wie ein Top-Journalist und kümmerst dich darum, dass unsere Vertriebsunterlagen überzeugen

- eine Ausbildung als Redakteur wäre wünschenswert

- in Workshops und Präsentationen überzeugst du unsere Kunden mit deinen kreativen Ideen- dich zeichnet eine analytische Denkweise aus, du begeisterst dich für paid Media (Facebook-, TikTok-, Instagram- und Google-Ads)

- du bist ein absoluter Zahlenmensch und liebst es natürlich auch, Reports zu erstellen- du bringst Kenntnisse der gängigen Grafik-Programme, wie Photoshop, Indesign, Canva und Adobe mit

- du verfügst über Grundkenntnisse in Webtechnologien, UX, Bild- und Videobearbeitung (schneiden)

- du hast mindestens ein Hochschulstudium abgeschlossen: Marketing, Betriebswirtschaft oder Kommunikationswissenschaften- du sprichst perfektes Deutsch- und Englisch, sehr gutes Französisch und Italienisch, und lernst jedes Jahr eine neue Fremdsparache zusätzlich.usw.ㅤ

Diese Person - diesen Über-Menschen würde ich zu gerne einmal treffen…ㅤ

SO MACHST DU ES RICHTIG: Idealerweise sollte deine Stellenanzeige nach dem “Gentleman-Prinzip” gestaltet sein: Erst geben, dann nehmen. Konzentriere dich am Anfang des Textest darauf, was der Mitarbeiter vom Unternehmen bekommt. Später skizzierst du kurz, was der potenzielle neue Kollege an Vorwissen, Erfahrung, Zertifikaten usw. mitbringen soll.


Fehler Nummer 4: Die Anzeige enthält keinerlei Zielgruppensprache

Wenn du diesen Tipp in deinen Stellenanzeigen umsetzt, gewinnst du im Null komma nix die Aufmerksamkeit und das Vertrauen der Leser. Mit einem Satz wie “In deinem eigenen Brummi bist du der King of the road!” oder “In deinem eigenen Truck bist du der Kapitän der Landstraße” fühlen sich LKW-Fahrer garantiert opitmal abgeholt und werden sich deine Anzeige genauer ansehen. 

Einer meiner besten Copywriting-Tipps: Humorvolle Ausdrücke findest du ganz schnell auf Google indem du im Suchfeld etwas eintippst wie “Lkw-Fahrer lustige Bezeichnung” - dieser Tipp ist wirklich Gold wert! 

Deine Copy Screenshot

Weitere Anregungen für humorvolle Texte und Creatives, die auffallen, hole ich mir unter Google Bilder:

Deine Copy Creatives



Fehler Nummer 5: Deine Texte sind künstlich aufgebauscht und wirken unehrlich

In meiner Rolle als Copywriting Coach des Performance Recruiting Mentorings von Wahlert Media konnte ich zwei Gruppen von Textern festmachen:

1. Die Unmotivierten

Bei vielen Recruitern beobachte ich, dass sie sich viel zu wenig Zeit für die Copy nehmen. Manche haben einfach keinen Bock darauf, sich mit dem Unternehmen und der Zielgruppe zu befassen. Ihre Stellenanzeigen wirken unmotiviert. Die Texte sind voller Floskeln à la “bei uns bist du keine Nummer” oder “wir legen großen Wert auf Weiterbildung”. Das sind Phrasen, die immer suuuuper klingen. Leider haben sie null Wirkung auf den potenziellen Bewerber. 

Das finde ich ausgesprochen schade… Es macht so viel Spaß, Kampagnen-Texte zu erstellen, die aus dem Rahmen fallen, weil sie auffällig-anders sind. Die Tatsache, dass sich auch bei schlechten Copys meistens irgendjemand meldet, lässt viele Recruiter glauben, sie wären bereits auf einem guten Level mit ihren Texten. 

Spätestens bei der Qualität der Bewerbungen stellen sie dann aber enttäuscht fest, dass sie lediglich die “Low-Hanging-Fruits” abgegriffen haben - also Leute, die verzweifelt auf Arbeitssuche sind. Für Unternehmen, die hoch qualifizierte, talentierte Mitarbeiter wollen (und das sollte jedes Unternehmen anstreben), sind moderne Anzeigen und digitale Bewerber-Funnel empfehlenswert. 

2. Die Übereifrigen

Bei übereifrigen Recruitern besteht der Vorteil, dass sie lernwillig sind und sich Mühe geben, eine gute Copy zu schreiben. Leider bewirkt ein Übermaß an Motivation ebenfalls manchmal das Gegenteil. Nämlich, dass die Texte künstlich aufgebauscht und unehrlich wirken. Was dadurch passiert, ist fast noch schlimmer, als ein unmotivierter Text.

Beim Texten tendieren wir manchmal dazu, alles aufhübschen zu wollen, um unser Angebot möglichst attraktiv zu verpacken. Im deutschsprachigen Raum muss man damit sehr aufpassen. Was ich dir jetzt sage, ist unheimlich wichtig: 

Egal für welche Zielgruppe du schreibst - Menschen sind nicht dumm. Wir merken es, wenn uns jemand etwas "aufschwatzen" will.

Konkret meine ich damit Aussagen, die einfach viel zu gut klingen, um wahr zu sein: „Bei uns im Team herrscht Harmonie pur und auch im Büroalltag läuft immer alles perfekt“… äh ja ne, is klar... oder "Das Wichtigste für uns ist, dass unsere Mitarbeiter glücklich sind." ... hmm... ich weiß nicht wie es dir geht, aber mich machen solche Aussagen ein wenig stutzig. 

Wie wäre es mit: „Miesepeter und notorische Nörgler wirst du bei uns nicht finden. Wir halten als Team zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Jeder von uns hat liebenswerte Macken, vielleicht auch du?“ Das klingt ehrlich und sympathisch und bringt zum Ausdruck - wir sind liebenswert aber nicht perfekt und du musst auch nicht perfekt sein. Die Schwelle, um sich zu Bewerben ist dadurch geringer. 

Falls du dazu Fragen oder Anmerkungen hast, schreib sie gerne in die Kommentare! 

Noch eine wichtige Info zum Schluss: Viele der angeführten Beispiele entstammen meiner Feder. Sie sollen dir als Anregung dienen ABER sind nicht dafür gedacht, dass du sie 1:1 übernimmst bzw. klaust. 😉 

Du brauchst Hilfe beim Texten deiner Stellenanzeigen oder deines Bewerber-Funnels? Lass uns gerne kurz sprechen, um zu schauen ob ich dich auf deinem Weg zu mehr Bewerbern optimal unterstützen kann! 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Scroll to Top